Wie komme ich zum Frieden meiner Seele

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Wie komme ich zum Frieden meiner Seele?


,Ich wandle nicht in großen Dingen, die mir zu hoch sind. Ja, ich habe meine Seele gesetzt und gestillt So ist meine Seele in mir wie ein entwöhntes Kind bei seiner Mutter. Israel, hoffe auf den Herrn!" (Psalm 131,lb-3a)

Vor ein paar Wochen ist in einem deutschen Verlag ein amerikanischer Roman erschienen, ein sogenannter Pfarrerroman. Das ist augenblicklich die große Mode, über Priester oder Pfarrer Romane zu schreiben. Dieses Buch heißt „Die Karriere". Das ist der deutsche Titel. Es leuchtet tief hinein in das Leben der Pfarrer und der Gemeinden. Und darin kommt ein Gespräch vor, das mich sehr bewegt hat:
Da sitzen zwei völlig ungläubige, gebildete Herren, ein älterer und ein jüngerer, beieinander, trinken Wein und unterhalten sich. Und dann schimpft einer über die Pfarrer. Das ist ein unerschöpfliches Gesprächsthema. Der andere entgegnet - und das hat mich bewegt - : „Sei nicht so streng mit ihnen! Es ist ja schließlich nicht so einfach, wenn jemand einen überholten Glauben hat und dennoch ein modernes Publikum zufriedenstellen soll!"
Stellen Sie sich meine Lage vor! „Wenn jemand einen überholten Glauben hat und dennoch ein modernes Publikum zufriedenstellen soll."

Als ich das las, mußte ich lachen. Ich dachte: „So denken bestimmt die meisten Leute, todsicher! Die armen Kerle, die mit einem überholten Glauben ein modernes Publikum zufriedenstellen müssen!"  Liebe Freunde, wer so spricht, hat keine Ahnung von der Bibel! Von wegen „überholter Glaube"! In demselben Gespräch kommt nämlich noch ein merkwürdiger Satz vor. Da sagt der jüngere Mann: „Ja, in der letzten Zeit habe ich einmal einige Abschnitte der Bibel durchgelesen" - ein völlig ungläubiger Mann -, „und ich bin erstaunt, wie wesentlich die Bibel ist! Wenn ihre Aussagen glaubhaft wären" - sie sind es also nicht, denkt der Mann -, „so böte sie die Lösung für das ganze hoffnungslose Durcheinander, in dem die Welt sich jetzt befindet!"

Anscheinend ist dem Mann ja doch ein kleines Lichtchen aufgegangen, wie wesentlich die Bibel ist. „Wenn die Aussagen der Bibel glaubhaft wären, dann hätten wir hier wirklich ein Rezept, die Welt zu heilen", sagt er. Ich möchte Ihnen sagen: „Gott sei Dank ist die Bibel glaubhaft!"
Ich habe laut gelacht, als ich gestern den Leitartikel in der „Welt" las, einer großen Zeitung. Er fängt an, es gäbe so eine biblische Legende ... Da wird ganz einfach die Bibel als Mythos und Legende abgetan! Im Leitartikel einer Tageszeitung. Ich möchte Ihnen aus tiefster Überzeugung sagen: Gott sei Dank ist die Bibel glaubhaft! Denn hier spricht der lebendige Gott, und darum ist das wirklich kein überholter Glaube. Nein, ich bin nicht in der mißlichen Lage, diesem hochachtbaren modernen Publikum einen überholten Glauben „andrehen" zu müssen!

Im Gegenteil, ich bin überzeugt, wir sind heute die einzigen, die überhaupt noch etwas zu sagen haben! Oder vielmehr: die Bibel ist die einzige, die heute noch etwas zu sagen hat. Dieses Buch ist unheimlich aktuell! Sie spricht von der ersten bis zur letzten Seite davon, was die Menschen heute umtreibt! Nehmen Sie nur den heutigen Text: da ist davon die Rede, wie unsere friedlosen Seelen zum Frieden kommen. Ist das ein Thema, das uns beschäftigt oder nicht? Das ist keine überholte Frage! Wenn ich diese arme Menschheit um mich herum ansehe, dann sage ich: es gibt überhaupt keine wichtigere Frage als die: wie kommen unsere friedlosen Seelen zum Frieden?

Ich will den Text noch einmal lesen: „Ich wandle nicht in großen Dingen, die mir zu hoch sind. Ja, ich habe meine Seele gesetzt und gestillt. So ist meine Seele in mir wie ein entwöhntes Kind bei seiner Mutter. Israel, hoffe auf den Herrn!"
Ich möchte so vorgehen, daß ich drei Worte aus unserem Text unterstreiche. Erstens die zwei Wörtlein „der Herr". Wir wollen zunächst einmal darauf achten, daß der König David, der den Psalm gedichtet hat, den Frieden rühmt, den er gefunden hat. Den Frieden seiner Seele. Er sagt: „Ich habe meine Seele gesetzt und gestillt." Wo Luther „gesetzt" übersetzt, steht im Hebräischen ein Wörtlein, das zum Beispiel gebraucht wird, wenn ein Bauer mit der Egge über den Acker geht. Dadurch wird der Acker planiert. Da werden die kleinen Unebenheiten eingeebnet. Wenn es uns möglich wäre, ein stürmisches Meer zu beruhigen, dann würde dieses Wörtlein dastehen. Das ist gemeint. Ich habe die wilden Wogen meiner Seele zur Ruhe gebracht! Das wäre schön, wenn man das könnte, nicht wahr? Die wilden Wogen - Leidenschaften, Sorgen und was alles da ist — zur Ruhe bringen. Kann man das denn? David, wie hast du das gemacht? Und David antwortet: „Israel, hoffe auf den Herrn!" Ohne den Herrn haben wir keinen Frieden in unserer Seele. Keine Urlaubsreise, kein Nervenstärkungsmittel kann diesen Frieden ersetzen. Nur der Herr kann ihn geben! Und sehen Sie, das ist die Katastrophe unserer Zeit, daß man Gott gelten läßt - man will ja schließlich kein Atheist sein-, aber daß man ihn bei allem und jedem ausklammert.

Und darum sind wir friedlose Leute! Wir leben in unserem Beruf ohne den Herrn. Wir leben in unseren Familien ohne den Herrn, in unserem persönlichen Leben ohne den Herrn, in unserer Ehe ohne den Herrn. Ich möchte Ihnen ein Beispiel sagen, das mich gerade in den letzten Tagen sehr bewegt hat. Irgendwo fand eine große öffentliche Diskussion statt, die sehr interessant war. Es fing so an, daß die Vertriebenenverbände große Tagungen hatten, wo lauthals das Recht auf Heimat gefordert wurde. Diese Forderung wurde dann von Pastoren theologisch, von Philosophen philosophisch und von Großmüttern sentimental begründet: der Mensch hat ein Recht auf Heimat! Und das ist ja sicher auch richtig. Aber daraus ergaben sich politische Konsequenzen. Daraufhin hatte ein Professor Iwand, ein wackerer Mann, den Mut, an die Zeitung „Die Welt" einen Leserbrief zu schreiben. Darin hieß es etwa so: Überlegt einmal, wie das deutsche Gebrüll vom Recht auf Heimat auf die östlichen Völker wirken muß. Wir haben diese Völker im Krieg überfallen und haben Millionen Menschen ihrer Heimat beraubt. Wir haben 6 Millionen Juden, die unter uns wohnten, die ein Recht auf Heimat hatten, aus ihren Häusern verjagt und umgebracht. Wir haben Hunderttausende von Fremdarbeitern weggeführt aus ihrer Heimat - wir Deutschen - und haben sie in der Fremde umkommen lassen. Und da sagt Professor Iwand: Überlegt einmal, wie das wirkt, wenn wir, die wir Millionen von Menschen die Heimat geraubt haben, vom Recht auf Heimat schreien. Wir sollten vielmehr - so schreibt Professor Iwand in dem Leserbrief - einmal überlegen, ob die Heimatlosigkeit von Millionen Menschen nicht ein Zeugnis davon ist: „Irret euch nicht, Gott läßt sich nicht spotten!" Gottes Mühlen mahlen langsam, mahlen aber trefflich fein! Er sucht die Sünden der Völker heim.

In einem anderen Blatt der „Jungen Kirche" schreibt Professor Iwand, er habe daraufhin eine Flut von Briefen bekommen, zum Teil unerträgliche Briefe. Davon veröffentlicht er den Brief einer Studentin. Schade, daß ich Ihnen die ganzen Brieftexte nicht vorlesen kann, das wären allein schon drei Predigten. Diese Studentin schrieb: „Lieber Herr Professor, wir müssen uns regen ... Lassen Sie doch bitte in dieser Sache einmal Gott aus dem Spiel! Mir ist die Gerechtigkeit Gottes im Geschichtsablauf sehr zweifelhaft", schreibt sie. Und dann kommt immer wieder der Satz: „Nun wollen wir mal den alten Herrn aus dem Spiel lassen." „Den alten Herrn" - das ist also Gott - aus dem Spiel lassen! Und ich bin überzeugt, daß Millionen ihr zustimmen: „Wir wollen den alten Herrn aus dem Spiel lassen, das ist doch eine politische Frage!" Und nun ist interessant zu lesen, was Iwand weiter schreibt. Er antwortete dieser Studentin: Verehrtes Fräulein, Sie wollen Gott aus dem Spiel lassen - da, wo es Ihnen unbequem ist, von ihm zu reden. Das ist die Situation in Westdeutschland, daß wir, wenn es darauf ankommt, Gott aus dem Spiel lassen! Und wir maßen uns an, wir wollten die östlichen Gebiete von der Herrschaft der Gottlosigkeit befreien? Wir sind ja genauso gottlos! Nur sagen wir es nicht! Wir tarnen das! Aber wenn es darauf ankommt, lassen wir Gott aus dem Spiel! Und dann fährt Professor Iwand fort: Sie wollen Gott aus dem Spiel lassen. Verehrtes Fräulein, das ist ja gerade das Unheimliche, daß man das nicht kann! Gott spielt nämlich immer mit!

Und sehen Sie, weil wir so irrsinnig handeln, daß wir in Wirtschaft, Politik und überall Gott aus dem Spiel lassen, darum kann kein Friede werden in der Welt. Und weil Sie in Ihrem persönlichen Leben genau dasselbe tun, zwar glauben, daß ein Gott ist, aber ihn aus dem Spiel lassen, deshalb haben Sie keinen Frieden in Ihrem Herzen. Nicht wahr, ihr Mädchen, in eurem Verhältnis mit Jungen hat doch Gott nichts zu sagen, oder? Im Sexualleben hat Gott nichts zu sagen. Lassen wir ihn aus dem Spiel! Im Geschäftsleben lassen wir Gott aus dem Spiel. Und sehen Sie, das ist unser Unglück. Weil es so ist, darum haben wir keinen Frieden. Frieden im Herzen hängt mit dem lebendigen Gott zusammen. Wir sollten Gott in das Spiel unseres Lebens einbeziehen!

Nun sagen mir viele: „Komisch, mir geht's so, wenn ich mich um Gott gar nicht kümmere, bin ich ganz ruhig. Aber sobald ich an Gott denke, werde ich unruhig! Gott macht mich nicht ruhig, sondern unruhig!" Darauf antworte ich: „Richtig, so muß es sein!" Denn wenn du mit Gott nur leise anfängst, kommst du in die Welt der Wirklichkeit! Dann wird auch die Wirklichkeit in deinem Leben offenbar, auch deine Sünde. Jawohl, wenn wir es mit Gott zu tun kriegen, ist von der Sünde die Rede, und da wird man sehr unruhig. Deshalb sage ich Ihnen: Gehen Sie schleunigst mit all Ihrer Unruhe, Schuld und Sorge dorthin, wo unser Herr uns am allerfreundlichsten erscheint, nämlich an seinem Kreuz! Lassen Sie uns unter Jesu Kreuz gehen. Dort darf man die Schuld der Vergangenheit und Gegenwart abladen. Dort gibt es Vergebung unserer Sünden, Frieden im Herzen! Da ist Befreiung von der Vergangenheit.
Israel, hoffe auf den Herrn! Auf den Herrn, der am Kreuz für mich starb!Es ist eine Ruh gefunden für alle, fern und nah, in des Gotteslammes Wunden am Kreuze auf Golgatha! Das ist die Antwort auf die Frage: „Wie finde ich Frieden für meine Seele?" Und nun will ich ein zweites Wörtlein unterstreichen: entwöhnt.

Ich will den Text noch einmal lesen: „Ja, ich habe meine Seele gesetzt und gestillt, so ist meine Seele in mir wie ein entwöhntes Kind bei seiner Mutter!" Wir wollen David fragen: „David, du behauptest, du hättest Frieden im Herzen. Zeige mir den Weg dazu!" Und David antwortet uns. Dabei finde ich es einfach großartig, daß er uns jetzt nicht eine philosophische Rede hält oder Atemübungen empfiehlt, vielleicht Yoga - so lange nach innen schauen, bis alles abgestorben ist, oder irgend so etwas Komisches. Nein, David ist viel nüchterner. Er sagt: „Ich will euch den Weg zum Frieden zeigen durch ein Beispiel." Dann nimmt er ein Bild aus der Kinderstube. Nun habt ihr, meine lieben Jungen, davon wohl wenig Ahnung, obwohl ihr selbst einmal Babys gewesen seid. Ihr erinnert euch nicht daran. Aber Mütter und Väter, die verstehen das gut! David führt uns also in ein Kinderzimmer und sagt: „Da ist ein Baby, das lange Zeit an der Brust der Mutter genährt und gestillt wurde. Nun soll dieses Kind entwöhnt werden. Das ist ein Kampf. Das ist der erste Schock im Leben eines Säuglings. Es verlangt nach einer Nahrung, die es nicht mehr kriegen soll! Das ist nicht einfach!" Und nun sagt David: „Ehe ich Frieden fand, mußte meine Seele auch entwöhnt werden. Und du findest im Leben keinen Frieden und bleibst ein friedloser Mensch, wenn du keine solche Entwöhnung erlebst."

Nun möchte ich Ihnen einmal ganz kurz skizzieren, wovon wir entwöhnt werden müssen, wenn wir Frieden finden wollen. David nennt hier als erstes: „Ich wandle nicht in großen Dingen, die mir zu hoch sind!" Man muß also von großen Dingen, die einem zu hoch sind, entwöhnt werden. Aber was heißt das nun? Vielleicht treffen diese Worte einen Menschen, dem von Gott ein kleiner Lebenskreis zugewiesen wurde, der aber das Gefühl hat: „Ich könnte mindestens Minister sein!" Oder eine Hausfrau: „Nur am Herd stehen? Ich habe mir das anders gedacht!" Aber ich will hier nicht weitermachen. Als Jugendpfarrer möchte ich jetzt nicht allzuviel gegen Ehrgeiz sagen. Denn ich könnte mir denken, daß dann ein Pennäler in der Mathematikstunde, wenn's schwierig wird, sagen könnte: „Ich schalte ab, ich wandle nicht in großen Dingen, die mir zu hoch sind!" Und so ist das bestimmt nicht gemeint. Ich will Ihnen sagen, was nach meiner Überzeugung mit den großen Dingen, die uns zu hoch sind, gemeint ist: es sind die hohen Dinge, daß wir Gott mit dem Intellekt verstehen, begreifen und erfassen wollen! Daß wir über Gott diskutieren und reden und reden und reden. Oder gar, daß wir den lebendigen Gott kritisieren: Wie kann Gott dies zulassen, wie kann Gott jenes zulassen? Das sind Dinge, die Ihnen zu hoch sind und mir auch! Wir finden erst Frieden, wenn wir von diesem hochmütigen Tun, als ob wir Gott gleichgestellt wären, entwöhnt sind. Wir müssen ganz einfach schlichte Kinder des lebendigen Gottes werden, die ihm gehorsam sind und ihm vertrauen.

Und ein anderes, wovon wir entwöhnt werden müssen, um Frieden der Seele zu bekommen, ist unsere eigene Gerechtigkeit. Es ist eigentümlich, wie wir alle miteinander in uns selbst verliebt sind. Wie Narziss, der in den Spiegel des Baches schaut und alles darüber vergißt, weil er sich selbst sieht. Wir sind alle in uns verliebt. Und wir können es einfach schwer fassen, was die Bibel sagt: Wenn in uns nur ein klein wenig Gutes wäre, hätte der Sohn Gottes nicht für uns zu sterben brauchen. Ich sage immer: wir sind wie Schornsteinfeger. Was die anfassen, wird dreckig. Unser bestes Werk ist befleckt! Es ist Hochmut dran, nicht wahr? Wir lieben uns selbst dabei. Wenn ein Fetzchen Gutes in uns wäre, hätte Jesus nicht für uns sterben müssen! Das können wir schwer fassen. Und da sagen wir Christen: „Nein, so ist es nun doch nicht. So schlimm steht es nicht. Natürlich sind wir allzumal Sünder. Natürlich haben wir manches zu bereuen. Natürlich haben wir unsere Fehler, wir sind schließlich nur Menschen, aber ... !" Und sehen Sie, mit diesem Aber beginnt der Lobgesang auf die eigene Gerechtigkeit, nicht wahr?

Es ist unerhört, wie die Bibel zu uns spricht. Sie sagt: Du mußt Gott so ernst nehmen, daß du sagen kannst: „Es ist doch unser Tun umsonst, auch in dem besten Leben!" Oder: „An mir und meinem Leben ist nichts auf dieser Erd' ! " Ach, daß wir doch einmal vor Gott unser Verlorensein zugeben wollten, damit er uns endlich begnadigen könnte! Denn dann finden wir Frieden. Solange wir in unserer eigenen Gerechtigkeit dastehen, herrscht immer Friedlosigkeit. Immer! Erst wenn ich vor Gott zugebe, daß ich die Hölle verdiene, kann er mich erretten. Nur so können die Gnade Gottes in Jesu und der Friede in mein Leben kommen. Dazu brauche ich nichts mehr zu beschönigen. Auf ein bißchen mehr oder weniger Sünde kommt es dann nicht mehr an! „Herr, ich brauche nur Gnade!" - Und so bekommen wir Frieden.

Um noch einen weiteren Punkt zu nennen: Wir müssen auch von unserer elenden Liebe zu unserer Sünde entwöhnt werden. Ich bekomme immer wieder gesagt: „Der moderne Mensch weiß nicht, was Sünde ist". Aber Sie wissen alle ganz genau um Ihre Sünde, die Sie friedlos macht und die Sie nicht lassen wollen. Eigentlich sollte ich jetzt Zettel und Bleistifte austeilen und sagen: „Wir machen drei Minuten Pause. Schreiben Sie Ihre Sünde auf! Und danach stecken Sie den Zettel ein. Überlegen Sie dann eine Woche, ob Sie wirklich hier entwöhnt werden wollen. Ob es Ihnen ernst ist." Es kann nicht Friede werden, solange wir nicht den Schlüssel auch von der letzten Kammer unseres Herzens dem lebendigen Gott ausgehändigt haben. Lassen Sie uns doch unseren Heiland bitten, daß er uns entwöhnt von unserer Sünde!

Entwöhnt werden müssen wir auch - um noch eins zu nennen - von unserem eigenen Ich. Es ist schrecklich, wie sich bei uns alles um unser eigenes Ich dreht! Was ist das für ein weiter Weg, bis wir dahin kommen zu sagen: ich bin mit Christus gestorben! Eine solche Entwöhnung von der eigenen Gerechtigkeit, von den hohen Dingen, dem Stolz Gott gegenüber, von unserer Lieblingssünde und unserem Egoismus - das ist kein leichtes Ding. Die Bibel nennt an anderer Stelle dieses Entwöhntwerden Sterben mit Jesus. Und das ist kein Kinderspiel! Aber dieses Sterben ist das Tor zum Frieden. Anders geht es nicht. Billiger kriegen Sie ihn nicht. Und wenn Ihnen jemand das Christentum billiger verkaufen will, glauben Sie ihm nicht! Ohne diese Entwöhnung fahren wir in die Hölle. Auch wenn wir nur noch eine kleine Sünde festhalten wollen, fahren wir in die Hölle! Sie muß zum Feind werden. Es kann sein, daß ich damit fertig werde, aber sie muß zum Feind werden. O daß wir entwöhnte Kinder würden!

Nun lassen Sie mich noch ein Drittes unterstreichen: die Worte bei seiner Mutter. David soll uns den Weg zum Frieden zeigen, und er sagt uns: „Ich bin voll Frieden, ich bin wie ein entwöhntes Kind bei seiner Mutter." Ist das nicht ein schönes Bild, daß Gott mit einer Mutter verglichen wird? Ich fürchte zwar, daß viele das gar nicht verstehen, weil es heute keine Mütter mehr gibt, jedenfalls keine richtigen Mütter. Was sind das für Mütter, die in eine Scheidung einwilligen, ganz egal, ob die Kinder dabei kaputtgehen! O was für eine Not erlebe ich als Jugendpfarrer bei vielen Jungen! Da sind Jungen, die ohne die Liebe des Vaters oder ohne die Liebe der Mutter aufwachsen mußten. Vor Gott ist jede Ehescheidung Sünde! Das sollen Sie wissen! Ohne Ausnahme Sünde. Was sind das für Mütter, die ihre Kinder auf die Straße schicken und arbeiten gehen, damit sie ein Fernsehgerät oder ein Auto ersparen! Als ob die Kinder nicht tausendmal wertvoller wären als so ein elendes Auto oder eine Fernsehtruhe! Ich bin froh, daß Gott besser ist als die beste Mutter! Und jetzt schildert David so schön, daß er wie ein Kind im Schoß der Mutter sitzt. Er sagt: „So bin ich nun bei meinem Gott - wie ein entwöhntes Kind bei seiner Mutter. " Ein Kind sitzt auf dem Schoß der Mutter, völlig geborgen. Es ist eigentlich komisch, denn im Grunde genommen müßte das Kind der Mutter böse sein, weil es entwöhnt ist. Es müßte sagen: „Mutter, du gibst mir nicht mehr, was ich will, nämlich die Milch, die du hast!" Und merkwürdig, das Kind ist der Mutter nicht böse! Da geht in so einem Baby eine große Veränderung vor. Früher wollte es etwas von der Mutter, jetzt geht es ihm nur noch um die Mutter selbst. Und sehen Sie, das ist die große Veränderung, die den Weg zum Frieden bedeutet. Zuerst wollte ich etwas von Gott. Oh, die vielen unerfüllbaren und unerfüllten Wünsche! Ich will was von Gott - er tut's nicht, deshalb bin ich ihm böse! Das ist die große Wandlung, daß ich nicht mehr etwas von ihm will, sondern ihn selbst!

Neulich sah ich einmal auf einem Grabstein geschrieben: „Hier ruht in Gott..." Da dachte ich: „Das möchte ich von mir schon zu Lebzeiten sagen können. Das möchte ich auf mein Haus geschrieben haben: „Hier ruht jedenTag Wilhelm Busch in Gott!" Das soll nicht auf meinem Grabstein stehen, über meinem Leben möchte ich das stehen haben: er ruht in Gott. Danach sehnt sich meine Seele.
„Ach", sagst du, „ruhen in Gott, was wäre das schön! Aber Gott ist so fern!" Deshalb sage ich es jetzt noch einmal: Gott ist in Jesus zu uns gekommen und uns ganz nahe geworden. In diesem Jesus, in diesem Heiland, darf unsere Seele nun ruhen wie ein entwöhntes Kind bei seiner Mutter.

Ich singe so gern das Lied, das von allen Kirchenmusikern verworfen wird:
Sicher in Jesu Armen,
sicher an seiner Brust,
ruhend in seiner Liebe,
da find' ich Himmelslust!
Ich wünsche Ihnen diesen herrlichen Frieden.

Wir wollen beten: „Herr, unser Heiland, wir danken dir, daß du uns arme Menschen nicht einfach laufen läßt, sondern daß du uns in Jesus den vollen, ganzen, himmlischen Frieden anbietest! Hilf uns, daß wir Ernst damit machen! Amen."